Hallo zusammen,
ich dachte mir, ich verkünde mal kurz, dass ich meine zweite Staatsprüfung diese Woche erfolgreich abgelegt habe. Es ist vollbracht, der Spuk ist vorbei und ich darf mich nun “Lehrerin” nennen.
Der Prüfungstag war irgendwie seltsam. Ich bin morgens um 7 Uhr in der Bäckerei im Schulort vorbeigefahren und habe rund 25 belegte Brötchenhälften abgeholt. Dann ging es damit zur Schule und in den Raum, in welchem ich meine vierköpfige Prüfungskommission einquartieren würde. Dort hatte ich Tische und Stühle zusammengeschoben, Geschirr und Besteck bereitgelegt, sowie frisches Obst, Teebeutel, Schokolade und Kaffee angerichtet. Die Brötchen wurden hübsch drapiert und dann musste ich meine Entwürfe für die beiden Unterrichtsstunden auslegen. Ich habe mich in einen für mich reservierten Raum zurückgezogen, wurde dann rausgerufen, um die Kommission zu begrüßen und dann bin ich in den Raum gegangen, in dem die erste “Vorführstunde” stattfinden sollte, um die Tafel vorzubereiten, den OHP zu testen und mich am Pult häuslich einzurichten. Die Stunde selbst ging dann total schnell vorbei, die Reflexion über die Stunde ebenso. Auch die zweite “Vorführstunde” war schnell rum und nach der Reflexion musste ich dann darauf lauern, dass man mir sagen würde, ich dürfe zur mündlichen Prüfung antreten. Diese erfolgte dann nach einer Stunde Mittagspause und um 14 Uhr war der Prüfungstag auch schon rum. Meine Eltern waren da und haben mich in die Arme genommen und nach 20 Minuten Beratschlagung habe ich dann meine Endnoten mitgeteilt bekommen. Als all die Anspannung von mir gefallen war, wollte ich eigentlich nur noch schlafen und konnte mich kaum richtig freuen. Und auch jetzt kann ich noch nicht so ganz realisieren, dass ich es geschafft habe.
Bis Ende des Halbjahres muss ich nun noch ein zweiwöchiges Praktikum an einer anderen Schulform absolvieren und an meiner Ausbildungsschule Vertretungsunterricht übernehmen. Ich werde jetzt ganz viel Freizeit nachholen und das Leben wieder genießen, nachdem ich mich wochenlang am Schreibtisch verbarrikadiert hatte. Natürlich bin ich schon fleissig dabei, Bewerbungen zu schreiben, denn an meiner Ausbildungsschule wird eines meiner beiden Fächer momentan nicht gebraucht. Ich habe erst etwas gebraucht, die Entscheidung nicht persönlich zu nehmen à la “wenn die wirklich gewollt hätten, hätten sie auch Mittel und Wege gefunden”, aber ich sehe das Ganze mittlerweile mit der nötigen Distanz, denn Schulleiter sind heute nichts anderes als Manager und sie müssen mit den “Ressourcen” haushalten. Das heißt: Die Schulleiter müssen genau durchkalkulieren, welche Fächer in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, wohlgemerkt Fächer, nicht Kollegen, und dementsprechend für Nachschub sorgen.
Naja, ich denke, auch wenn ich mich an meiner Ausbildungsschule super eingelebt habe und am liebsten dort geblieben wäre, so wird es schon für irgendwas gut sein, dass ich nicht dort bleiben kann.
Ich drücke allen da draußen, die in der nächsten Zeit vielleicht auch noch diese elendig stressige Prüfung ablegen müssen, ganz feste die Daumen!